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EMO 2011: IFW-Kongress »Neue Fertigungstechnologien in der Luft- und Raumfahrt« versammelt internationales Fachpublikum

Zum elften Mal hatte das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover zu seiner renommierten Konferenz nach Hannover eingeladen. Zum ersten Mal fand die Konferenz, die aktuelle Trends und künftige Herausforderungen sichtbar macht, auf der EMO Hannover statt.

(23.09.2011) – Zusammen mit dem Machining Innovations Network (MIN) konnten sich Professor Berend Denkena, Leiter des IFW, und seine Mitarbeiter über ein rund 160-köpfiges Fachpublikum aus Europa, Kanada, USA, Japan und Korea freuen. Das MIN, 2010 in Varel als Netzwerk von Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der spanenden Bearbeitung gegründet, war zum zweiten Mal als Co-Veranstalter dabei. Mit einem zweitätigen, in vier Sessions gegliederten Vortragsprogramm wurden die Veranstalter ihrem Anspruch gerecht, den EMO-Besuchern aus der Luft- und Raumfahrtindustrie ein internationales Forum zu bieten und sich über den aktuellen Stand der entsprechenden Fertigungstechnologien, über Herausforderungen und neue Lösungsansätze informieren und auszutauschen zu können. Neben den metallischen Werkstoffen – insbesondere Titan – standen in diesem Jahr auch faserverstärkte Kunststoffe (CFK) und Materialkombinationen auf der Agenda.

CFK – Werkstoff mit idealen Eigenschaften, schwer zu bearbeiten

Für die Bearbeitung von CFK wurden beispielsweise zwei neue beziehungsweise neu verfolgte Ansätze vorgestellt: Christian Boge von der MAG IAS GmbH stellte ein Konzept zur Kryo-Bearbeitung vor, bei dem flüssiger Stickstoff als Kühlmittel verwendet wird, um die Prozesstemperatur auf maximal 70 Grad Celsius zu reduzieren. Seine Ergebnisse zeigen, dass durch die Verwendung der neuartigen Kühlmethode Prozesszeiten sowie Prozessschwingungen reduziert werden können. Ralf Möller von der Aerospace Flow Europe GmbH regte an, das an sich nicht neue Wasserstrahlschneiden anders einzusetzen, nämlich nicht nur zum Trennen, sondern auch zum Gravieren. Dadurch können zum Beispiel Taschen, die in Strukturbauteilen häufig gebraucht werden, hergestellt werden. Hier seien vielfältige neue Einsatzmöglichkeiten denkbar. August Wilhelm Henningsen, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik AG, wies in seinem Plenarvortrag auf die Schwierigkeiten hin, die – hinsichtlich der steigenden Verwendung von CFK – bei der Instandsetzung von Flugzeugen zu erwarten sind. Es sei beispielsweise eine Herausforderung, innere Schäden an Strukturbauteilen zu erkennen, die von außen nicht sichtbar seien. Trotz einiger Lösungsansätze, so das Fazit, müssten Forschungs- und Entwicklungsressourcen weiterhin auf CFK-Reparaturmethoden fokussiert werden, um eine sichere und zuverlässige Reparatur zukünftiger Flugzeuggenerationen zu gewährleisten.

Titan, Aluminium – und Maschinentechnologien für deren effiziente Bearbeitung

Masahiko Mori, Präsident der Mori Seiki Co.,Ltd, skizzierte in seinem Session-Einführungsvortrag die besonderen Anforderungen an Werkzeugmaschinen, die von Anwendungen in der Luftfahrt ausgehen. Ein Beispiel, den Herausforderungen zu begegnen, stellte Dirk Kammermeier von der Kennametal Shared Services GmbH vor: Sein Unternehmen hat ein neues Spannsystem für die Titanbearbeitung entwickelt. Welche Herausforderungen es für Premium Aerotec als weltweit führenden Zulieferer von Luftfahrtstrukturen bedeutet, Titan und CFK als Verbund einzusetzen, hatte bereits Dieter Meiners, COO der Premium Aerotec GmbH, berichtet. Dass bei aller Fokussierung auf Titan und CFK die Herausforderungen bei der Aluminiumbearbeitung nicht aus dem Blickfeld geraten dürfe, betonte Wei-Ming Sim von Airbus S.A.S. in seinem Plenarvortrag. Aluminium und Aluminium-Legierungen würden auch in Zukunft einen großen Anteil bei der Flugzeugfertigung haben und Airbus rechne weiterhin mit entsprechenden Neuentwicklungen.

 Forschung aus Niedersachsen für die Welt der Luftfahrt

Auch die Hochschulforschung war an den beiden Tagen im Convention Center in Hannover vertreten: Yusuf Altintas, Koryphäe auf dem Gebiet der Prozessstabilität und Professor an der University of British Columbia in Kanada, stellte dem Plenum aktuelle Ergebnisse vor. Zwei Mitarbeiter aus dem IFW steuerten in den Sessions Forschungsergebnisse bei: Thilo Grove erklärte, wie die Zerspanung die Randzonen bei gefrästen Luftfahrtbauteilen beeinflusst, Max Krüger stellte Ergebnisse seiner Simulation zum prozessinduzierten Bauteilverzug vor. Mehr Forschung aus dem IFW und den fünf weiteren Instituten des Produktionstechnischen Zentrums der Leibniz Universität konnten die EMO-Besucher auf dem großen PZH-Gemeinschaftsstand in Halle 2 finden. Oliver Liersch, Staatssekretär im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium und nach eigenem Bekunden wahrscheinlich »der einzige Jurist unter lauter Ingenieuren«, hatte in seinem Grußwort festgestellt, das Motto der Veranstaltungsreihe klinge verhältnismäßig unspektakulär, wenn man bedenke, was sich alles hinter dem Begriff verberge und welche Herausforderungen damit verbunden seien. Die Landesregierung engagiert sich intensiv für die Luftfahrt-Forschungsstandorte Varel und Stade, um Hightech-Entwicklungen im Land zu stärken und krisenfeste, hochqualifizierte Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen – und nun, so Liersch, sei der Schritt von Niedersachsen / Norddeutschland über die bundesweite Vernetzung durch das Machining Innovations Network in die ganze Welt getan. Die EMO versammle die Experten der Metallbearbeitung und sorge für die entsprechende Internationalisierung.

Der Termin für die 12. Konferenz »Neue Technologien in der Luft- und Raumfahrt« steht bereits fest: Sie wird am 15. und 16. November 2012 stattfinden.

Tagungsband »New Manufacturing Technologies in Aerospace Industry: Machining Innovations Conference«, 22. und 23. September 2011, Hannover, In: Berichte aus dem IFW, Band 07/2011, Hrsg. Prof. Berend Denkena, ISBN: 978-3-943104-18-9, 362 S.

Hier finden Sie das Opens external link in current windowkomplette Vortragsprogramm

Professor Berend Denkena eröffnet die erste international ausgerichtete Konferenz »Neue Fertigungstechnologien in der Luft- und Raumfahrt«. Foto: Bettina Fischer

Hochkarätige Vortragende und Besucher. Im Bild von links: Sven Ambrosy, Landrat, MIN-Vorstand; Martin Kapp, Vorsitzender des VDW, Dieter Meiners, COO Premium Aerotec; Foto: Bettina Fischer