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Historie des IFW

Die großen Entdeckungen des 17. und 18. Jahrhunderts auf naturwissenschaftlichem Gebiet bereiteten das Zeitalter der Technik vor. Das schnelle Wachstum der Naturwissenschaften führte jedoch nicht zur Ausweitung der Universitäten, sondern zur Gründung technologisch orientierter Gesellschaften, Akademien oder anderer Institutionen, die sich weitgehend unabhängig von den klassischen Universitäten entwickeln mussten (Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik (Hrsg.): Produktionswissenschaft, ein Beitrag zur Geschichte der Hochschulgruppe Fertigungstechnik. Greven & Bechthold, Köln 1987)

Die eigentliche technische Hochschulidee war in Wien in bewusster Trennung und Abgrenzung von der Universität erdacht und formuliert worden. Gemeint war nicht eine Fach- oder Spezialschule, sondern vielmehr die „Universitas Scientiarium Technicarum“. Nach dieser Idee wurden in den 20er und 30er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts Polytechnische Schulen oder Höhere Gewerbeschulen in München, Dresden, Stuttgart, Hannover, Darmstadt und Braunschweig (Collegium Carolinum) gegründet. Sie waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nahezu ausschließlich auf die Ausbildung von Ingenieuren für Konstruktion und Forschung im sogenannten klassischen Maschinenbau ausgerichtet.

Die Anfänge: 1831 - 1876

Gründer und Direktor der Höheren Gewerbeschule (seit 1831) war Karl Karmarsch vom Polytechnischen Institut in Wien (Manegold, K.-H.: Technik, Staat und Wirtschaft. Universität Hannover 1831-1981; Festschrift zum 150-jährigen Bestehen. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1981, S. 35-73). Er vertrat selbst das Fach ,,Mechanische Technologie“, aus dem sich die Fachrichtung ,,Fertigungstechnik“ entwickelte.

Karmarsch hat in seinem Handbuch der Mechanischen Technologie eine umfassende Zusammenstellung des zu seiner Zeit vorhandenen Wissens über Verfahren, Maschinen und Werkzeuge der Fertigungstechnik und der mechanischen Verfahrenstechnik gegeben. Sein Handbuch wurde wohl als das Standardwerk im deutschsprachigen Raum angesehen.

1876 - 1911

1876 trat Hermann Fischer die Nachfolge Karmarschs an. Er nahm 10 Jahre nach seiner Berufung ausdrücklich das Fach "Werkzeugmaschinen“ auf. Seine erfolgreiche Arbeit belegt sein Buch ,,Werkzeugmaschinen", das erste deutschsprachige Buch auf diesem Gebiet. Es behandelt Maschinen der Holz und Metallbearbeitung, spanende und umformende Maschinen und stellte damit eine Grundlagenarbeit dar.

1911 - 1937

Friedrich Schwerd, bis dahin technischer Leiter der Schleifmaschinenfabrik Naxos-Union in Frankfurt/M., übernahm 1911 den Fischerschen Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Fabrikorganisation. Er kündigte 1925 eine besondere Vorlesung über Fertigung an. Schwerd baute mit bedeutenden Mitteln von Staat und Industrie das Hannoversche Versuchsfeld zum größten seiner Zeit aus. Berühmt wurde die von Schwerd und Schering entwickelte funkenoptische Versuchsanlage zur Untersuchung der Spanbildung in der Bewegung. Dies gelang durch Belichtungszeiten von 0,2x10-6 Sekunden. Dem Institut wurde 1928 eine Prüfstelle für Schleifarbeiten angegliedert in der Erkenntnis, dass der Fertigungsingenieur auch für die Sicherheit am Arbeitsplatz verantwortlich ist. Schwerd trat 1937 in den Ruhestand.

1938 - 1945 und 1954 - 1970

Als Nachfolger von Friedrich Schwerd wurde Henry Behrens, Professor für Herstellungsverfahren, Werkzeugmaschinen und Fabrikorganisation an der Technischen Hochschule Danzig, berufen. Henry Behrens verstarb, bevor er die Professur in Hannover antreten konnte.  1938 wurde schließlich Werner Osenberg, Assistent von Ewald Sachsenberg, Professor für Betriebswissenschaft und Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinenuntersuchungen und Fertigungsverfahren an der Technischen Hochschule Dresden, auf den ehemaligen Schwerdschen Lehrstuhl berufen.

Kurz nach seinem Amtsantritt teilte Osenberg das Institut für Werkzeugmaschinen. Der eine Teil wurde Dienststelle des Reichsamtes für Wirtschaftsausbau (RWA), die Osenberg zum „Vierjahresplaninstitut für Fertigungsfragen“ ausbaute. Der andere Teil wurde Entwicklungsabteilung der Kriegsmarine. Dieser Teil wurde nach Kriegsbeginn zum Wehrbetrieb erklärt und der Rüstungskommission unterstellt. 1943 wurde das durch Kriegseinwirkungen schwer zerstörte Institut nach Lindau am Harz ausgelagert. Anfang Dezember 1945 wurde Werner Osenberg von der Technischen Hochschule Hannover entlassen.

1947 - 1954 [1960]

Bereits im Herbst 1945 war Otto Kienzle die Lehrstuhlvertretung des Instituts für Werkzeugmnaschinen übertragen worden. Er führte das ausgelagerte Institut an die Technische Hochschule Hannover zurück. 1947 wurde Otto Kienzle auf den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen berufen.  Otto Kienzle  war zuvor als Nachfolger von Georg Schlesinger Inhaber des  Lehrstuhls für Betriebswissenschaft und Werkzeugmaschinen der TH Berlin. Otto Kienzle gab der Fertigungstechnik in Hannover neue Impulse. Er erweiterte seine Untersuchungen an Passungssystemen, auf zylindrische und kegelige Presspassungen und schuf damit Grundlagen  für auch heute gültige Normen. Seine Berliner Arbeiten über das statische und dynamische Fugenverhalten wurden erweitert und vertieft. Untersuchungen zu den geometrischen und kinematischen Grundlagen der Flächenerzeugung trugen zur späteren Entwicklung der rechnerunterstützten Fertigung (CAM) bei. Die Formulierung eines sich in Praxis und Wissenschaft durchsetzenden Schnittkraftgesetzes und die Arbeiten zur umfassenden Systematisierung der Fertigungstechnik haben ihm international Ruf und Anerkennung verschafft (Seidel, R.: Otto Kienzle – Systematiker der Fertigungstechnik. Hanser, München 2014).

Nach der Wiedereinsetzung Werner Osenbergs (1954) wurde das Lehrgebiet in den Lehrstuhl für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (Osenberg) und den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (Kienzle) geteilt. Osenberg erforschte die Zerspanung sprödharter Werkstoffe mit hochharten Schneidstoffen und legte damit die Basis für das heutige Steinversuchsfeld des Instituts. In der Schleiftechnik schlug Osenberg vor, hohe Geschwindigkeiten von 80 m/s beim Schruppschleifen einzusetzen und machte dazu Verfahrensvorschläge. 1970  wurde er emeritiert.

1970 - 2002

Sein Nachfolger wurde Hans Kurt Tönshoff. Nach verschiedenen leitenden Tätigkeiten in der Werkzeugmaschi-nenindustrie wurde er 1970 als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule Hannover berufen. Bis zum Jahr 2002 war er Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für Fertigungstechnik und Spanende Werkzeugma-schinen (IFW). Er ist seit 1971 Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft Produktionstechnik (wgp früher HGF). Hans Kurt Tönshoff wurde aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste um die Produktionswissenschaft zum Ehrenmitglied der Internationalen Forschungsgemeinschaft für Produktionstechnik (CIRP) berufen. Hans Kurt Tönshoff ist seit 1975 aktives Mitglied der CIRP, gehörte 1997 bis 2000 dem Präsidium an und war von 1998 bis 1999 Präsident. Zudem war Hans Kurt Tönshoff von 1989 bis 1995 Vizepräsident der Deutschen Forschungsge-meinschaft (DFG) sowie Mitglied des Wissenschaftsrates der Bundesrepublik Deutschland (1980 - 1984) und Be-auftragter für Forschung und Technologie des Landes Niedersachsen (1984 - 1986). Des Weiteren ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und Ehrendoktor der Universitäten Erlangen-Nürnberg, Thessaloniki und der Keio University Japan.

Seit 2001

Seit 2001 ist Berend Denkena Professor und Institutsleiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen. Im ersten Jahr leitete er gemeinsam mit Hans Kurt Tönshoff die Geschäfte des Instituts.

Nach Ausbildung zum Maschinenschlosser und Studium des Maschinenbaus an der Universität Hannover war Berend Denkena ab 1987 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFW. 1992 promovierte er dort. Es schlossen sich berufliche Stationen bei der Thyssen-Tochter Hüller Hille in Deutschland und den USA an, bevor er 1996 zu Gildemeister Drehmaschinen in Bielefeld wechselte und dort bis zu seiner Berufung 2001 die Entwicklung und Konstruktion leitete.  Hier arbeitet er mit seinen Mitarbeitern an Zukunftsthemen in den Bereichen Spanende Fertigungstechnologie, Werkzeugmaschinen und Steuerungen sowie Fertigungsplanung und -organisation.

Berend Denkena ist u. a. Sprecher des Sonderforschungsbereichs 653 „Gentelligente Bauteile“, Mitglied und stellv. Sprecher des SFB 871 “Regeneration komplexer Investitionsgüter” und Mitglied in den Sonderforschungsbereichen 1153 „Taylored Forming“ und SFB/TR 73 „Umformtechnische Herstellung von komplexen Funktionsbauteilen mit Nebenformelementen aus Feinblechen – Blechmassivumformung“.  Im Nebenamt wirkt er in verschiedenen Aufsichts- und Beiräten mit. Er ist Mitglied der Internationalen Akademie für Produktionstechnik (CIRP) und der Wissenschaftlichen Gesellschaft Produktionstechnik (wgp) sowie Mitglied der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech) und der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.

Die Fertigungstechnik in Hannover, heute durch sieben Institute repräsentiert, kann somit auf eine mehr als 180-jährige wissenschaftliche Tradition zurückblicken.