Die gezielte Beeinflussung von Oberflächen- und Randzoneneigenschaften spielt eine zentrale Rolle für die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer hochbeanspruchter Bauteile. Insbesondere bei metastabilen austenitischen Stählen eröffnet die gezielte Nutzung der verformungsinduzierten Martensitbildung neue Möglichkeiten, um verschleißresistente Randzonen direkt im Zerspanprozess einzustellen. Gleichzeitig stellt die robuste und reproduzierbare Prozessführung eine wesentliche Herausforderung dar.
Im Rahmen seiner Dissertation entwickelte Herr Nguyen einen ganzheitlichen Ansatz zur prozesssicheren Einstellung dieser Randzoneneigenschaften beim Drehen. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit war die Kombination aus prozessparalleler Sensorik, modellbasierter Beschreibung der Prozesszusammenhänge und adaptiver Prozessführung. Hierfür nutzte er unter anderem Wirbelstromsensoren zur in-situ Erfassung der Martensitumwandlung und verknüpfte diese mit datengetriebenen Modellen zur Vorhersage der resultierenden Werkstoffeigenschaften.
Durch die Integration dieser Ansätze konnte erstmals eine dynamische Prozessregelung realisiert werden, die es ermöglicht, gewünschte Randzonenzustände gezielt und reproduzierbar einzustellen. Dabei wurden insbesondere die Einflüsse von Prozessparametern wie Vorschubgeschwindigkeit und Bauteiltemperatur sowie der Einsatz kryogener Kühlschmierstrategien systematisch untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass durch eine geeignete Kombination aus Schrupp- und Schlichtprozessen sowohl hohe Martensitanteile als auch eine gute Oberflächenqualität erreicht werden können.
Während seiner Zeit am IFW engagierte sich Herr Nguyen von 2017 bis 2024 im Rahmen des DFG-Projektes SPP 2086: Prozesssichere Einstellung von Randzoneneigenschaften bei der spanenden Bearbeitung hochfester und duktiler Stähle intensiv in der interdisziplinären und internationalen wissenschaftlichen Arbeit sowie in der Betreuung von Studierenden. Zudem brachte er innerhalb der Kooperation mit unserem Partner, der Keio-Universität in Japan, zahlreiche innovative Impulse ein und war maßgeblich am Exzellenzcluster PhoenixD beteiligt. Heute überführt er seine umfassende Forschungserfahrung als Mitgründer des Unternehmens Hooosh erfolgreich in die Praxis.
Das IFW dankt Herrn Nguyen herzlich für seine hervorragende Arbeit, gratuliert ihm zur erfolgreich abgeschlossenen Promotion und wünscht ihm für seine persönliche sowie berufliche Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute.