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TETO – Innovative Prüfmaschinen für die nächste Generation von Knie- und Hüftimplantaten

TETO – Innovative Prüfmaschinen für die nächste Generation von Knie- und Hüftimplantaten

Knie- und Hüftendoprothesen werden zunehmend bei jüngeren Patienten eingesetzt, da sie auch bei weniger schweren Krankheitsbildern spürbare Verbesserungen bewirken können. Aufgrund des höheren Aktivitätsgrades jüngerer Patienten müssen die verwendeten Prothesen hinsichtlich eines anspruchsvolleren Belastungsprofils geprüft werden. Zur Prüfung werden Tension-Torsion-Prüfmaschinen eingesetzt, die die Prothesen mit einer Überlagerung von Zug/Druck und Torsion belasten. Etablierte Prüfmaschinen nutzen dabei eine serielle Kinematik mit reduzierter Dynamik und Präzision oder verschleißbehaftete Koppelstangen. Das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) entwickelt im Kooperationsprojekt „TETO“ eine Tension-Torsion-Prüfmaschine, welche einen neuartigen Mehrkoordinatenantrieb verwendet, um überlagerte Belastungsprofile mit hoher Dynamik und Präzision bei geringem Verschleiß zu realisieren.

Der Einsatz von Knie- und Hüftendoprothesen zählt heute zu den am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen. Studien prognostizieren, dass die Zahl dieser Operationen in Deutschland bis 2040 um 38 % steigen wird. Mit der Zunahme dieser Eingriffe rückt auch die Notwendigkeit präziser Prüfverfahren in den Fokus, um sicherzustellen, dass die eingesetzten Prothesen den Anforderungen jüngerer und aktiverer Patienten gerecht werden.

Ein zentrales Problem bei Hüftimplantaten ist das sogenannte „stress shielding“. Dieser Effekt entsteht durch eine unzureichende Übereinstimmung zwischen der mechanischen Steifigkeit des Implantats und der natürlichen Knochenstruktur, was zu einem frühzeitigen Versagen führen kann. Um die mechanischen Eigenschaften von Implantaten präzise zu charakterisieren, werden häufig Tension-Torsion-Prüfmaschinen eingesetzt. Diese können die Prothesen mit einer Überlagerung von Zug-/Druckkräften und Torsionsmomenten belasten.

Auf dem Markt etablierte Prüfmaschinen verwenden zwei grundlegende Prinzipien, um diese Überlagerung zu realisieren. Am häufigsten wird eine serielle Kinematik, also aufeinander aufbauende Antriebe, verwendet. Dadurch muss ein Antrieb den übergeordneten Antrieb mitbewegen, was zu Einbußen in der erreichbaren Dynamik führt. Die zweite Möglichkeit ist ein mechanisches Koppelelement zwischen den beiden Antrieben. Dieses Koppelelement ist jedoch durch den prinzipbedingt notwendigen zusätzlichen Freiheitsgrad in der Anbindung an den jeweiligen Antrieb verschleißbehaftet.

Im Rahmen des Projektes „TETO“ wird in Kooperation mit dem Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e.V. (ICM), der Elektrische Automatisierungs- und Antriebstechnik GmbH Chemnitz und der DYNA-Mess Prüfsysteme GmbH eine neuartige Tension-Torsion-Prüfmaschine entwickelt. Dabei werden die beiden separaten Antriebe durch einen neuartigen Mehrkoordinatenantrieb ersetzt. Somit wird eine parallele Anordnung der Antriebe ohne verschleißbehaftetes mechanisches Koppelelement ermöglicht. Weiterhin kann durch den Einsatz des Mehrkoordinatenantriebs die bewegte Masse reduziert und dadurch die Dynamik und Leistungsdichte der Prüfmaschine potenziell gesteigert werden.

Der Mehrkoordinatenantrieb basiert auf einer dreiphasigen permanentmagneterregten Synchronmaschine mit einem Kreuzwicklungssystem. Die Permanentmagneten sind in einem Schachbrettmuster auf dem Sekundärteil angeordnet, was eine entkoppelte Krafterzeugung in zwei Freiheitsgraden ermöglicht. Optimierungen wie die Verwendung einer Hallbach-Array-Anordnung der Permanentmagneten erhöhen die erreichbare Dynamik zusätzlich. Die Regelung der beiden Freiheitsgrade wird durch eine Kaskadenregelung mit integrierter Rastkraftkompensation übernommen.

Um eine simultane translatorische und rotatorische Bewegung zu ermöglichen, wird die Lagerung des Sekundärteils als hydrostatische Lagerung ausgeführt. Diese nutzt ein wasserbasiertes Fluid, um das Kontaminationsrisiko in der biomedizintechnischen Prüfumgebung so gering wie möglich zu halten. Das Projekt wird im Rahmen des „Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand“ (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert.

Kontakt:

Für weitere Informationen steht Ihnen Julian Manthei unter der Telefonnummer +49 511 762 18385 oder per E-Mail an manthei@ifw.uni-hannover.de gern zur Verfügung.